
Sonntag, 14. November 2004, 21:25 Uhr
14.11.2004: Aus dem Leben eines MdL - heute: Büroeinrichtung
Mittlerweile hat sich die große Aufregung gelegt und der Alltag zieht in die parlamentarische Arbeit ein. Im Vordergrund stehen aber auch noch 9 Wochen nach der Wahl organisatorische Dinge.
Im Landtag ist mir letzte Woche endlich ein Büro zugewiesen worden und auch im Wahlkreis war die Suche erfolgreich. Beide gilt es nun einzurichten.
Während das Büro im Landtag bereits mit Schränken, Tischen, Stühlen, Telefon und bald auch einem Computer ausgestattet ist steht das Büro in Zehdenick noch vollkommen leer da. Ich fange also praktisch bei Null an.
Das geht los bei so Kleinigkeiten, wie Büroklammern, Radiergummi und Stiften über Lamellen, Lampen bis hin zu den großen Anschaffungen, wie Schreibtische und Schränke. Aber auch die ganze Technik (Computer, Telefon, Fax, Drucker, Scanner, Kopierer, etc.) muss gekauft werden. Und dann bleiben da noch die ganzen Sachen, an die man am Anfang noch gar nicht gedacht hat. Nur mal auszugsweise zu nennen sind hier Kaffeemaschine, Staubsauger, Geschirr und allerhand Reinigungsmittel und entsprechende Utensilien.
Am Ende wird aber bestimmt trotzdem noch etwas fehlen, da bin ich mir ziemlich sicher.
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Sonntag, 21. November 2004, 21:23 Uhr
21.11.2004: Politik - morgens, mittags, abends
Seit dem ich auf der anderen Seite stehe, werde ich immer wieder gefragt, wie das denn Alles so war? Auf dieser sogenannten anderen Seite bin ich am Abend des 19. September angekommen. Kurz vor 21 Uhr stand fest, dass ich 97 von 99 Wahlbezirken im Wahlkreis 10 und damit ein Direktmandat für den Brandenburger Landtag gewonnen hatte.
Als ich am 06. März in Zehdenick (OHV) zum Direktkandidaten der PDS für einen der größten Flächenwahlkreise im Land Brandenburg nominiert wurde hatte ich nur eine ungefähre Vorstellung von dem, was mich erwarten würde. Vorher hatte ich mit Kandidaten gesprochen, die diese Prozedur schon einmal durchgemacht hatten. "Kaum Zeit für anderes", "viele Termine" und "wenig Schlaf" waren deren transportierte Erfahrungen.
Ich habe gerade mal meinen Kalender durchgeblättert, um es konkret zu machen: es waren 87 öffentliche Termine und 24 eher organisatorische, um sich zu beraten, vor- und nachzubereiten. In den Wochen vor dem Wahltag bin ich 10653 km unterwegs gewesen. Immer hin und her zwischen Gransee, Fürstenberg/Havel, Zehdenick, Templin, Lychen und Boitzenburg. Eine Region, die ich vorher überhaupt nicht kannte, geschweige von manchen Orten gehört zu haben.
Zu keinem Zeitpunkt, auch nicht am 19. September, habe ich daran geglaubt, dass Direktmandat zu gewinnen. Ich war 22 Jahre jung, wohne in Potsdam und bin parteilos. Mein aussichtsreichster Mitbewerber war Lothar Kliesch (SPD), wohnhaft im Wahlkreis, vor Ort gut verwurzelt, da er jahrelang als Bürgermeister einer Gemeinde tätig war und hauptberuflich als Lehrer mit vielen Bürgern im Kontakt stand und bereits dreifacher "Gewinner" des Wahlkreises, in dem ich nun antrat.
Die Zeit des Wahlkampfes war anstrengend und nervenaufreibend, einfach hart. Ich kam nach 14 und manchmal mehr Stunden nach Hause und habe mir geschworen am nächsten Tag einfach zu verschlafen oder krank zu sein. Natürlich ging das nicht und zum Glück war ich fast jeden Morgen aufs Neue motiviert. Bevor es aber gegen acht aus dem Haus ging stand, neben allen Dingen, die jeder morgens tut, das Pressestudium und der eMail-Check auf der Tagesordnung. Erst dann verließ ich das Haus, um Stunden später wieder zu kommen. Dazwischen lagen mal mehr und mal weniger Termine. Infostände auf Marktplätzen und vor Einkaufszentren, Gesprächsrunden in Altenheimen und Jugendclubs, Treffen mit Amtsdirektoren, Bürgermeistern, Vereinsvertretern, Rede und Antwort bei Diskussionsveranstaltungen zu unterschiedlichsten Themen: Integration Behinderter, Bildungspolitik, Windräder, industrielle Schweinezucht, vieles andere mehr und immer wieder Hartz IV. Dazwischen Pressegespräche, Telefonate, Teamsitzung und Auto fahren, Auto fahren, Auto fahren.
Und das Alles ohne Aussicht auf Erfolg? Naja, ganz so war es auch nicht. Auf der Liste (Platz 24) der PDS habe ich auch kandidiert. Und mit jeder Umfrage stiegen die Sympathien und damit die wahrscheinlichen Mandate. Zwischendurch wurden ja sogar bis zu 31 Plätze für die PDS im Brandenburger Parlament prognostiziert. Ich konnte mit meinem Platz 24 also optimistisch weiter wahlkämpfen.
Am 19. September errang die PDS 29 Mandate im Landtag, 23 davon wurden direkt, also mit der Erststimme gewonnen. Eines davon hat mein Team überraschend, aber mit deutlichem Vorsprung vor der SPD gewonnen. Gut so, denn Listenplatz 14 war der letzte, der einzog.
In den neun Wochen, die seit dem vergangen sind habe ich meine ersten parlamentarischen Schritte gemacht. Anfragen gestellt, Landtagssitzungen und Ausschusstermine absolviert, ein Büro im Wahlkreis und eines im Landtag bezogen und einen persönlichen Mitarbeiter eingestellt. Aber keine Sorge, meine Stullen schmiere ich noch selber und fahren tut mich auch noch keiner. Mittlerweile bin ich im Hauptstudium. Nachdem ich das Vordiplom mitten im heißen Wahlkampf zum Glück erfolgreich abgelegt habe studiere ich natürlich weiter. Allerdings eingeschränkt. Mehr als 2 Seminare sind im Moment nicht drin. Denn Abgeordnete müssen auch nach dem Wahlkampf mehr arbeiten, als man denkt. Auch das hatte ich so nicht erwartet.
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